Münchner Merkur, Freitag 8.August 2003

Laut, heiß und verdammt gut

Dave Evans im "Village":
Der "AC/DC"-Mitbegründer bot eine glaubwürdige Rockshow


Habach - Was macht ein eingefleischter "AC/DC"-Fan, der wegen eben dieser Band in seiner Jugend das Gitarrenspiel erlernte und vor kurzem keine Karte für das Konzert der Altrocker im Münchener "Circus Krone" ergatterte? Er besucht am Mittwochabend einen Gig von Dave Evans im Habacher "Village". Evans ist nur wenigen bekannt - obwohl er zu den Gründungsmitgliedern von "AC/DC" gehörte und vor mehr als 30 Jahren als Vorgänger des legendären Sängers Bon Scott Klassiker wie "Rock`n Roll Singer" oder "High Voltage" mit aus der Taufe hob. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der australischen Kultband machte sich dieser Dave Evans also unter anderem auf ins Oberland. Und da "AC/DC"-Coverbands wie Pilze aus dem Boden sprießen, war es für Evans auch nicht schwer, geeignete Mitstreiter auszuwählen. Er fand diese in der Münchener Band "Overdose".

Als ob es vor der Tür nicht heiß genug gewesen wäre, schaffte es "Overdose", die Temperatur im restlos ausverkauften Club mit Songs aus den ersten "AC/DC"-Alben hochzutreiben. Ihr Sänger war nicht nur optisch, sondern auch akustisch dem unvergessenen Bon Scott zum verwechseln ähnlich. Wer moderne, vergeistigte Rockmusik suchte, war fehl am Platze, denn es gab es nur eines zu hören: schnörkellose, einfache und dennoch mitreißende, intensive Songs.

Dave Evans überließ die erste Stunde seinen Mitmusikern und erklomm die Bühne erst um 23 Uhr mit den ersten Takten des Songs "Soul Stripper". Bis auf fehlende Tätowierungen erschien Evans so, wie man sich einen altgedienten Rocker jenseits der 50 vorstellt: mit schwarzem Muscle-Shirt, langen schwarzen Haaren und mit einem Stirnband zur Zierde des sonnengebräunten Hauptes. Seine kraftvolle, bluesige Stimme interpretierte zunächst weniger bekannte Songs, später packte er die Stücke aus, wegen denen man "AC/DC"-Fan wurde.

Vielleicht hat es Evans bereut, dass er "AC/DC" zu früh verlassen hatte, dennoch stand hier ein Mann auf der Bühne, der das macht, was er kann und wofür er lebt: Er wirkte glaubwürdig bei allen Ansagen, die er von sich gibt und bei allen Gesten, mit denen er sein Publikum animiert. Als die letzten E-Gitarrensalven verklungen waren, konnte sich jeder der nassgeschwitzten Zuschauer zufrieden wähnen, eine Steigerung war nach "Highway To Hell" und "TNT" definitiv nicht mehr möglich. Fazit: Es war laut, es war heiß, es war eine Rockshow der alten Schule.

von Michael Herkner

Münchner Merkur, Friday 8th August 2003

Loud, wild and bloody good

Dave Evans at the "Village":
The co-founder of "AC/DC" gives a good rock show.

Habach – So what does a hardened “AC/DC” fan (who, in his youth actually learnt to play guitar because of this band) do if he hasn’t managed to get hold of tickets for the old rockers at the Munich "Circus Krone"? On Wednesday evening he takes in a gig by Dave Evans at the “Village” in Habach. Evans is only slightly known – even though he was one of the founding members of "AC/DC" more than 30 years ago, and, as predecessor to the legendary Bon Scott, helped to launch classics like "Rock`n Roll Singer" or "High Voltage". To celebrate the 30 years of the Australian cult band, Dave Evans made his way, among other places, to the Uplands. And here "AC/DC" cover bands were sprouting out of the ground like mushrooms, so it wasn’t difficult for Evans to choose suitable fellow combatants. He found these in the Munich band "Overdose".

As if it wasn’t hot enough at the door, “Overdose” managed to force up the temperature in the completely sold out club with songs from the first "AC/DC" albums. Their singer was incredibly similar to the unforgettable Bon Scott – both visually and acoustically. Those looking for modern, cerebral rock music were definitely in the wrong place, as you could only hear one thing: unabashed, simple and nevertheless captivating, intensive numbers.

Dave Evans let his fellow musicians take the first hour and then appeared on stage at 23.00 with the first bars of the song "Soul Stripper". Apart from the lack of tattoos, Evans looked just like you would imagine a long-familiar rocker to look: with black muscle top, long black hair and a headband to decorate his bronzed head. His powerful, bluesey voice first interpreted less known songs, and then he later unwrapped those pieces that had encouraged people to become “AC/DC” fans all those years ago.

Maybe Evans regrets leaving "AC/DC" too early, nevertheless, on the stage there stood a man who does what he does and what he lives for: he emitted trustworthiness in all his announcements and the gestures with which he animated his audience. As the last volley of electric guitar fire died away, each member of the sweat-soaked audience realised contentedly that it would not be possible to top "Highway To Hell" and "TNT". Upshot: it was loud, it was wild, and it was an old-school rock show.

von Michael Herkner

 

 

 

Süddeutsche Zeitung, Freitag 8.August 2003


Bis zum Siedepunkt

Dave Evans von AC/DC begeistert seine Fans

Habach. 1973 gründen die Brüder Angus und Malcom Young zusammen mit Dave Evans die Hard-Rock-Formation AC/DC. 30 Jahre später steht der AustralierEvans, erster Sänger von AC/DC und Vorgänger des legendären Bon Scott, wieder auf der Bühne.

Die Parkplätze am Habacher "Village" sind am Mittwochabend schnell überfüllt. Das Haus ist mit 200 erwartungsfrohen Gästen rappelvoll. Doch bevor die Musikfreaks ihrem Heroen aus Down Under zujubeln können, müssen sie sich gedulden. Denn den ersten Set spielt spielt die Münchener Coverband "Overdose" noch ohne Evans. In bester Bon Scott-Manier kreischt Sänger Stefan Erz in das Mikro, während Lee Adams an der E-Gitarre die heiße Luft mit treibenden Riffs durchschneidet. der Sound ist kernig und gnadenlos geradlinig. Bei den Breaks fehlt dem Schlagzeug allerdings die letzte Exaktheit. Bei "Problem child" beginnen die ersten Fans mit dem Head-bangen. Anatomisch heißt das, man wirft das Gehirn von der hinteren Schädeldecke an die Stirnplatte und wieder zurück. Das Publikum ist dabei durchaus gemischt. Ob mit langen schwarzen Haaren und Tätowierungen, mit grauen Haaren und Kindern auf den Schultern: Keiner steht mehr still.

Der erste Set ist beendet, Evans singt sich im ersten Stock des Habacher Kulturschuppens warm. Der Kontakt zu "Overdose" sei über das Internet zustande gekommen, erzählt er der SZ. Im Gegensatz zu Europäern, bei denen der Funke schnell übersprigt, seien die Australier bei Konzerten erst einmal reserviert. Seine stolzen Landsmänner könne man nur mitreißen, wenn der Sound erstklassig sei. für Evans war das also die beste Schule, um sich bis an die Weltspitze durchzukämpfen.Mit der Miene eines bösen Jungen und gestenreichen Handbewegungen gibt der Australier auf der kleinen Bühne Vollgas. An Kraft und Showtalent hat der Recke des harten Sounds mit seinen langen schwarzen Haaren, dem schwarzen T-Shirt und schwarzem Stirnband nichts eingebüßt. Und er schwört seine Fangemeinde ein. Die danken ihm mit lautem Applaus.

Bei "Ride on" singt ein Großteil der 200 Leute - allesamt bis auf die Haut durchgeschwitzt - laut mit. Bei Highway to hell" schnellen die Hände der Rockfans mit ausgestrecktem Zeigefinger in die Höhe. Auch Gitarrist Lee Adams läuft zur Hochform auf, und seine schnellen Finger flitzen bei den Soli über die Saiten.

Bei der ersten Zugabe "Whole lotta rosie" teilen sich Evans und "Overdose"-Sänger Erz das Mikro. Die zweite Zugabe überläßt Erz dem Altmeister. "TNT" heißt die letzte Nummer. Die Fans brüllen mit, und die Temperatur in den flachen Räumen erreicht den Siedepunkt, so dass die Luft einer heißen Wand aus elekrtischem Rock'n'Roll gleicht.

von Rainer Hatzl

Süddeutsche Zeitung, Friday 8th August 2003


All the way to the boiling point

AC/DC´s Dave Evans impresses his fans

Habach. In 1973, the brothers Angus and Malcom Young, together with Dave Evans, founded the hard rock formation, AC/DC. 30 years on, the Australian, Evans, first singer of AC/DC and predecessor to the legendary Bon Scott, is on the stage again.

The parking spaces at the “Village” in Habach fill up fast this Wednesday evening. The venue is jam-packed with 200 expectant guests. Yet before the music freaks can cheer their hero from Down Under, they have to be patient. As the first set is played by the Munich cover band, "Overdose", but without Evans. In the best Bon Scott style, singer, Stefan Erz, screams into the microphone while Lee Adams, on electric guitar, cuts through the hot air with driving riffs. The sound is earthy and mercilessly direct. But the drums lack that last touch of precision during the breaks. The first fans start to head bang with “Problem child”. Anatomically this means that you shake your brain from the rear of your cranium to your forehead and then back again. That said, the audience is quite mixed. With long black hair and tattoos or grey hair and children on their shoulders: no one is standing still.

The first set comes to a close and Evans is warming up on the first floor of the Habach culture venue. The contact to "Overdose" seems to have come about via the Internet, he explains to the SZ. Contrary to the Europeans, who get going quite quickly, the Australians are slightly more reserved at concerts. You can only captivate his proud fellow countrymen if the sound is first-rate. This was Evans´ best training for fighting his way to the top. With the expression of an angry boy and wildly gesticulating hand movements, the Australian goes for it full tilt on stage. This hard sounds rocker with his long black hair, black t-shirt and black headband doesn’t forfeit power or show talent. He enraptures his fans and they thank him with hefty applause.

The vast majority of the 200 people sing along loudly to "Ride on" – all of them soaked to the skin with sweat. With Highway to hell" the hands of the rock fans reach upwards with outstretched index fingers. Even guitarist, Lee Adams, is in top form and his fast fingers flit over the strings in the solos.

Evans and “Overdose” singer, Erz, share the mike for the first encore, "Whole lotta rosie". Erz lets the past master sing the second encore. "TNT" is the last number. The fans bellow alongside him, and the temperature in the low rooms reaches boiling point - the air resembles a hot wall of electric rock´n´roll.

By Rainer Hatzl

 


Münchner Merkur, Mittwoch 27.August 2003

Betont Bodenständig

AC/DC-Sänger im Backstage

30 Kerzen galt es im Backstage auszupusten – jede stand für satten Riffrock von „Down Under“. Im Mittelpunkt der Show stand allerdings Dave Evans. Eingefleischten AC/DC-Fans gilt der Mann aus der Vor-Bon-Scott-Ära als unverzichtbares Urgestein, als sängerisches Pendant zu Leadgitarrist Angus Young. Nun sind seit der Veröffentlichung der Single „Can I sit next to you girl?“ drei Dekaden ins Land gezogen. Ein Anlass, der für eine kleine Geburtstagsfeier geboten erschien.

Münchner Band spielte mit Weltstar

„Ich bin schon mit einer australischen AC/DC-Coverband getourt, aber es wäre zu teuer gewesen, sie nach Europa zu fliegen“, erklärte Dave Evans. Dadurch kamen die Lokalmatadoren Overdose ins Spiel. „Die Evans-Leute fragten uns, ob wir mit dem ersten AC/DC-Sänger touren wollten“, schildert Overdose-Sänger Stefan Erz. Eine Offerte, die man gerne annahm. Und so betrat nach der punkigen Vorband „Havanna Affairs“ Stefan Erz samt Mitstreitern die Bühne, um ein Bon-Scott-orientiertes Set zu spielen. Bei „Hell ain’t a bad place to be“ oder „Riff Raff“ tänzelte Erz à la Axl Rose über die Bühne.

Über Poser-Gehabe kann man sich ärgern, die nah am Original klingende Stimme ließ hingegen keine Wünsche offen. „Sin City“ bereitete die Fäuste reckenden Fans in den ersten Reihen auf „ihren“ Special Guest vor. Zuvor musste mit „Thunderstruck“ noch die Popularitäts-Hürde genommen werden und der berühmteste Glockenschlag des Rock’n’Roll die „Hells Bells“ erklingen lassen. Auf das solchermaßen geebnete Terrain konnte sich Dave Evans dann bedenkenlos vorwagen. Bei „Soulstripper“ gelang der Stabwechsel problemlos.

Die Stadt, die Evans nicht nur wegen des derzeit heißen Klimas mit Melbourne vergleicht („München ist auch eine sehr schöne Stadt“) begrüßte ihn herzlich. Für einen, der schon die Sydneyer Oper mit rockigen Weisen beehrt hat, gab sich Evans betont bodenständig. Zahlreiche Handshakes mit den Fans und „Let there be rock“ als Zugabe traf jedenfalls die Stimmung der zahlreichen Fans im vollen Backstage.

von Fabian Uebbing

 

 

Münchner Merkur, Wednesday 27th August 2003

ProSieben Online, Donnerstag 28.August 2003

ProSieben Online Interview mit Dave Evans

AC/DC sind in Deutschland ein großes Thema, darin besteht kein Zweifel. Das liegt mit Sicherheit zum einen an der hohen Qualität und der langen Erfahrung der Band, zum anderen sind wir Deutsche aber auch wirklich gut darin, Fans zu sein. Es wundert also auch weniger, dass es in Deutschland mit Sicherheit einige handvoll AC/DC-Cover-Bands gibt.

Eine davon heißt Overdose und kommt aus München. Die Jungs hätten sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, dass sie eines Tages einen Anruf aus Australien bekommen würden. Der Anrufer war kein Geringerer als Dave Evans. Und für alle, die mit der Geschichte von AC/DC nicht so gut vertraut sind: Damals in den frühen Siebzigern war es nicht der inzwischen verstorbene Bon Scott, der die Band zusammen mit den Young-Brüdern Angus und Malcolm gründete, sondern Dave. Letzterer war auch der ursprüngliche Sänger beim ersten Hit der Australier "Can I Sit Next To You Girl".

Doch was zählt, ist jetzt. Und jetzt sind Overdose auf der "In The Beginning"-Tour. Als Special Guest und Gast-Sänger dabei: Dave Evans. Overdose spielen ihr übliches AC/DC-Repertoire mit Hits wie "T.N.T.", "Highway To Hell", "For Those About To Rock" oder "High Voltage". So auch in München am 25. August im Backstage: Die Fans aus der bayerischen Hauptstadt füllten nicht nur die große Halle innerhalb kürzester Zeit, sie trafen auch auf eine Band, die mit Recht die alten AC/DC-Klassiker spielen darf.

ProSieben.de traf Dave Evans vor dem Konzert zum Interview und lernte einen wahren Entertainer kennen, der nichts so sehr liebt wie auf der Bühne zu stehen. Er mag ein wenig Pech gehabt haben in seinem Leben - immerhin verließ er AC/DC und musste mit ansehen, wie diese zum größten Rock-Act aller Zeiten avancierten - aber er fühlt sich wohl damit, die alten Hits zu performen.

Hallo Dave! Es freut uns, dass du dir für uns Zeit genommen hast. Bist du schon nervös, so kurz vor dem Auftritt?

Nein! Ich werde etwas unruhig, das kommt vom Adrenalin. Aber nervös werde ich nicht, immerhin mach ich das schon so lange. Ich freue mich drauf, es ist eine positive Aufregung. Schließlich mache ich das, was ich liebe. Wenn man nervös wird, sollte man nicht auf die Bühne gehen.

Das heißt, wenn du auf die Bühne gehst, bist du glücklich.

Es ist großartig! Alles, was man davor macht – Aufnahmen im Studio und so – das macht man nur, um dann da oben zu stehen.

Und wie ist die Tour bis jetzt? Wie haben Publikum und Fans auf euch reagiert?

Die Tour ist großartig! Die Fans lieben es. Ich war mir nicht sicher, wie es werden würde, denn ich kam aus Australien und war noch nie hier in Deutschland. Und die Leute waren absolut fantastisch. Und das kommt mir bei meiner Performance natürlich enorm entgegen. Ich bin einfach richtig glücklich, dass es sich so entwickelt hat.

Wie klappt das Zusammenspiel mit Overdose?

Darüber macht man sich natürlich im Vorfeld auch Gedanken. Immerhin sind es um die sechs verschiedenen Individuen, die aufeinander treffen und es ist sehr wichtig, dass die Band sich untereinander versteht und einer auf den anderen abgestimmt ist. Denn es gibt genug Bands, bei denen das nicht der Fall ist, und das kann alles beeinflussen bzw. kaputt machen. Die Jungs von Overdose kommen prima mit einander zurecht, und das hilft mir natürlich.

Wie kam es eigentlich dazu, dass ihr zusammen auf Tour geht?

Nun, ich wurde schon so oft von Fans gebeten, ihr Land einmal zu besuchen. Ich dachte mir, dass ich mit meiner eigenen Band nicht herkommen kann, denn das kostet so viel Geld und ich habe im Moment kein Label, das mir den Rücken stärkt und mir finanziell helfen kann. Also habe ich nachgedacht und so kam es zu der Idee, Musiker hierzulande zu finden. So kann Overdose jetzt zuerst ihr Set spielen und später mit mir zusammen meine Songs, die sowohl von AC/DC als auch von meiner anderen Band Rabbit sind. Außerdem lieben die Jungs die selbe Musik wie ich, das ist sehr wichtig.

Apropos AC/DC: Ich würde sagen, als du die Band damals verlassen hast, war das für dich eher der Anfang als das Ende deiner Karriere als Musiker. Kannst du mir erzählen, was du seitdem alles gemacht hast?

Also nach AC/DC bin ich in den Ruhestand getreten (lacht) – für drei Monate. Nein, ernsthaft, ich wollte nie mehr auf eine Bühne gehen und in einer Band spielen. Aber das ging wirklich nur drei Monate und dann kam Rabbit aus Newcastle. Du weißt schon, wo Silverchair herkommen. Übrigens habe ich sie da mal spielen sehen. Ich finde sie großartig, nur vom Sänger war ich nicht so überzeugt (lacht wieder). Auf jeden Fall haben Rabbit nach einem Sänger gesucht und waren von mir begeistert, sie kannten mich ja noch von AC/DC. Wir hatten eine Art Jam und ich war in der Band. Wir haben zwei Alben rausgebracht, die in Australien sehr erfolgreich waren. Ich hatte noch viele anderen Bands: Thunder Down Under und Coquerel.

Ich nehme mal an, dass Hard Rock in den Achtzigern nicht sonderlich populär war – im Sinne davon, dass man nicht besonders berühmt und reich werden konnte mit dieser Musik. Konntest du dein Ding trotzdem immer durchziehen oder musstest du Kompromisse eingehen?

Du hast recht, das musste ich tatsächlich. Kompromisse ja, aber keine, die wirklich schmerzten. Zu der Zeit habe ich ziemlich harten Rock'n'Roll gemacht und wir hatten auch unsere Fans, aber einen Deal mit einem Label haben wir dadurch nicht bekommen, denn die wollten lieber Synthesizer hören. Und ohne Deal kamen wir nicht ins Radio. Also habe ich den Sound geändert. Die Gitarren und Drums mussten drin bleiben, aber dazu kamen jetzt eben auch Synthies und Streicher und und und. So bekam ich dann auch meinen Plattenvertrag. Ich habe sie alle verwirrt (lacht).

Aber warst du damit zufrieden? Oder war es nur Mittel zum Zweck?

Nein, es war fantastisch, weil du ganz neue Komponenten hast und eine viel größere Bandbreite. Ich habe einfach alles ausprobiert: Hörner, Saxophon, Geigen. Und das alles mit meinem harten Sound – das war exotisch.

Zurück zu AC/DC: Ich weiß, das bist du bestimmt schon tausend mal gefragt worden, aber wie fing alles an?

Wie fing alles an ... ich war in Sydney mit einigen Bands – Velvet Underground zum Beispiel, die damals noch keiner kannte, denn sie hatten noch kein Album auf dem Markt. Und die Jungs sprachen von einem Gitarristen namens Malcolm Young, dem jüngeren Bruder von George Young, der in Australien ziemlich bekannt war. Und eines Tages besuchte mich ein ziemlich kleiner Bursche mit langen Haaren und stellte sich als Angus Young, dem jüngeren Bruder von George Young, vor. Und ich dachte erstmal: Wieviele Youngs gibt es eigentlich? (lacht) Er spielte mir seine Musik vor, weil er auf der Suche nach einem Sänger war – seine Band hieß Kentucky - , aber ich mochte sie nicht, denn es war sehr Gitarren-lastig und ich sah mich einfach nicht in dieser Band. Kurze Zeit später entdeckte ich eine Anzeige in der Zeitung von einer Band, die einen Sänger sucht. Die Anzeige kam von Malcolm. Wir haben uns sofort verstanden. Angus’ Band Kentucky hatte sich inzwischen wieder aufgelöst, weswegen auch er plötzlich dabei war.

Und dann kam bald die erste Hit-Single "Can I Sit Next To You Girl", die du ja eingesungen hast. Welche Songs stammen noch von dir?

Ich habe zum Beispiel "Soul Stripper" und "Rock'n'Roll Singer" für das erste Album aufgenommen. Diese Songs wurden später von Bon Scott neu eingesungen.

Wie "Can I Sit Next To You Girl" auch ...

Genau. Wir waren auch kurz davor, "Baby Please Don't Go" aufzunehmen, aber das hat dann schon Bon übernommen. Ich habe zusammen mit Malcolm auch zwei Songs geschrieben, das eine heißt "Fell In Love", aber da hat Bon später Text und Titel geändert, das hieß dann "Love Song". Ich schrieb auch "Sunset Strip", das haben sie dann geändert in "Showbiz".

Wenn wir schon damit angefangen haben, müssen wir es auch fertig machen: Ihr hattet die erste Single draußen und es wurde ein Hit. Warum ging es mit dir und AC/DC so schnell wieder zu Ende und wie denkst du heute darüber?

Naja, es war toll am Anfang, wir haben uns gut verstanden. Aber wir hatten gleich zu Beginn eine Menge Wechsel: der erste Schlagzeuger ging, der erste Bassist ging. Also kamen zwei neue, und die gingen dann auch wieder. Sogar der erste Manager ging. Und dann kam noch Neid zwischen Angus, Malcolm und mir dazu. Du weißt schon, was Mädchen anbelangt (lacht). Und ich war mir sicher, das Angus mich sowieso nie wirklich mochte, weil ich damals nicht in seiner Band Kentucky spielen wollte. Schließlich hatte ich auch noch eine große Auseinandersetzung mit dem Manager und so nahm das alles seinen Lauf. Wir waren ja schon auf Tour, es ging uns eigentlich gut: wir hatten eine Hit-Single, die Leute liebten uns – die Mädchen liebten mich. Und das tun sie noch immer! (lacht wieder) Aber es sollte nicht sein, die Young-Brüder hatten einfach die größere Macht, und damit meine ich vor allem Malcolm.

Was bedeutet dir Rock'n'Roll heute im Vergleich zu früher?

Das selbe! Rock'n'Roll ist Rock'n'Roll. Du verstehst und liebst es, oder eben nicht. Es ist etwas, das du fühlst. Es ist Kraft, Stärke, Erregung. Starke Emotionen, auch traurige, denn das kommt vom Blues. Und natürlich ein Gefühl von absolutem Spaß (grinst) – du fühlst dich einfach verdammt gut, wenn du die Musik hörst.

Aber hängst du eher an den alten Sachen und gibt es Bands aus dieser Zeit, die dir richtig gefallen?

Ach, das kommt darauf an. Natürlich mag ich Songs, aber die Bands, die ich mag, schreiben viele Songs, verstehst du? Ich mag Songwriting und Texte, und es muss nicht unbedingt Rock'n'Roll sein – ich muss es lieben. Es ist nur heutzutage für junge Leute schwer, mit etwas Neuem anzukommen und damit Erfolg zu haben. Und ich persönlich bin schon so lange im Geschäft, verstehst du? Sagen wir so: Es ist schwer, mich zu beeindrucken. Denn ich habe in diesen Jahren so viele tolle Bands gesehen, das ist schwer zu toppen. Damit meine ich natürlich nicht, dass es heutzutage keine guten Bands mehr gibt.

Aber glaubst du nicht, dass der Markt mit zu vielen neuen "Talenten" überflutet wird?

Naja, ich höre von denen nicht viel (lacht). Wenn ich nicht will, muss ich mich damit nicht befassen und wie gesagt, ich kenne so viele großartige Bands, das reicht mir eigentlich.

Findest du, dass AC/DC sich in den letzten 30 Jahren verändert haben?

Nein. Sie machen immer noch genau das selbe wie damals, als ich in der Band war. Angus bringt immer noch seinen "Chuck-Berry-Entengang" über die Bühne und so wie ich damals nimmt Brian ihn auch heute noch auf die Schultern während der Tour. Wieso sollten sie sich auch ändern? Sie wissen, was ihre Fans hören wollen.

Apropos Angus: Er trägt ja seit der Gründung diese Schuluniform, aber so viel ich weiß, habt ihr euch alle damals verkleidet. Stimmt das?

Die ersten Monate waren wir wie alle anderen, in Jeans und T-Shirt. Aber dann merkten wir, dass die Leute so nicht auf uns aufmerksam wurden. Aber wir mussten die Leute erstmal dazu bringen, zu unseren Konzerten zu kommen, denn wir wussten, dass die Musik den Rest erledigen würde. Also haben wir uns alle ein verrücktes Outfit ausgesucht, Angus mit der Schuluniform zum Beispiel. So wurden die Leute auf uns aufmerksam.

Und im Video hattet ihr die Kostüme dann auch an?

Genau, das war genau die Zeit. Aber dann kam eine Band namens Sky Hooks, die zwar eine ganz andere Musik spielten, aber sich auch verkleideten. Also entschied Malcolm, die Kostüme wieder abzulegen, bis auf Angus, weil die Leute seine Schuluniform so liebten. Das wurde eben ein Markenzeichen.

Was steht nach der Tour auf deinem Plan?

Nach der Tour geht's zurück nach Australien, da werde ich mich ein bisschen ausruhen. Und dann kommt es natürlich darauf an, wie erfolgreich die Tour war und was sie gebracht hat. Es war auch jeden Fall fantastisch bis jetzt. Und vielleicht kommen ja ein paar Angebote. Wenn ja, werde ich wieder auf Tour in Europa gehen. Mein Motto ist: Ich spiele überall zu jeder Zeit. So lange ich die Fans um mich habe, ist das das beste, was ich mir vorstellen kann.

Allein oder vielleicht wieder mit Overdose oder einer anderen Band aus Europa?

Das kommt drauf an. Ich mache jetzt hauptsächlich AC/DC, auch wenn ich ein paar Rabbit-Songs performe, aber das Spielen von AC/DC-Songs gibt mit vielleicht die Chance, mehr von meinem eigenen Zeug mit einzubringen.

Also ist es auch das, wo du dich in zehn Jahren siehst?

Immer noch singend, ja! Bob Hope kann das auch noch (lacht). Und vor allem: Brian Johnson ist älter als ich!

Letzte Frage: Was ist Dave Evans Lieblingssong von AC/DC?

"It's A Long Way To The Top (If You Wanna Rock'n'Roll)". Weil es für mich nie einen treffenderen Ausspruch gab als diesen.

Vielen Dank für das Interview!